Was ist eine Fistel eigentlich?

zahnfistelEine Fistel ist eine nicht natürlich vorbestehende, röhren- oder röhrennetzartige Verbindung zwischen einem Entzündungsherd und des Körperinneren / der Körperoberfläche. Eine Fistel ist eine Reaktion unseres Körpers auf eine chronische Entzündung. Wenn Sie lange Zeit an einem Ort eine Entzündung haben, wo sich  Immunzellen zu Eiter formieren, dann kann  sich eine Fistel bilden.  Dabei versucht der Körper die Entzündung einerseits durch Narbengewebe zu isolieren und die abgestorbene Zellreste und Immunzellen (=Eiter) über einen Gang zu drainieren, also zu entfernen. Diesen “Entleerungsgang” bezeichnet der Arzt als Fistel. Eine Fistel ist also eine Art künstlich geschaffener Gartenschlauch von unserem Körper, um Eiter aus der Wunde nach außen – im Falle des Kiefers zur Mundhöhle – zu transportieren. Eine Zahnfleisch Fistel ist also immer ein Zeichen das was nicht stimmt, belassen sollte man sie nicht, denn die Infektion schreitet voran und zerstört in unserem Beispiel weiterhin Knochen.

Bildung der Zahnfistel

Vom Entzündungsgeschehen aus, bilden sich entlang “Schwachstellen” neue Entzündungsherde.  Diese Schwachstellen sind Grenze zwischen verschiedenen Gewebe, wie zum Beispiel Muskeln und Haut, oder zwischen benachbarten Muskeln, oder eben den jeweiligen Organe – der Arzt spricht von Gewebelodgen.  Gleichzeitig wird der Entzündungsherd immer mehr durch Narbengewebe umschlossen. Dadurch entsteht eine Straße – eine Eitertraße, die selber  durch Narbengewebe umschlossen wird –  so entsteht eine Fistel. Im Kieferbereich merken Sie dann häufig einen Tippel am Zahnfleisch, der plötzlich aufbricht. Eiter entleert sich in Ihre Mundhöhle und der Tippel vergeht wieder, bald jedoch füllt sich der Tippel wieder, bis er wiederum aufbricht. Dieser Prozess wiederholt sich immer und immer wieder.

Zahnfistel Risiko

Die Fistel selber ist nicht gefährlich, aber ein Anzeichen, dass eine chronische Entzündung vorhanden ist. Die Entzündung ist gefährlich, weil durch jede Entzündung wird nicht nur unser Immunsystem belastet, sondern auch gesunde Struktur zerstört –  da die meisten Entzündungen sehr langsam verlaufen, haben sie auch keine Schmerzen und leben in dem Glauben alles wäre in Ordnung. Erst wenn der letzte Tropfen das Fass zum überlaufen bringt und zum Beispiel die Zähne zu wackeln beginnen, merken sie den durch die Entzündung verursachten Knochenabbau. Leider ist dann häufig Zahnverlust die Folge, eine zahnerhaltende Therapie ist nicht mehr möglich.

Ursachen Fistel

Die häufigste Ursache einer Zahnfistel im Kieferbereich sind nicht optimal wurzelbehandelte Zähne, gefolgt von nicht wurzelbehandelten Zähnen und von nicht behandelter Parodontitis.

Therapie der Zahnfistel

Die Therapie einer Fistel ist also nicht eine Fistelntherapie, sondern es muss die Ursache behandelt werden, entweder muss eine Wurzelbehandlung erfolgen, oder aber eine bestehende Wurzelbehandlung erneuert werden, oder aber eine parodontal Therapie eingeleitet werden. Ist die Ursache der Fistel beseitigt, dann heilt die Fistel in der Regel von alleine ab.

Der Zahnherd in der ZahnMedizin

Im Volksmund bedeutet Herd eine Infektion, ein Zahnherd ist also eine Infektion vom Zahn ausgehend. Eine gesunder Zahn kann keine Infektion verursachen, meistens kommt es aufgrund tiefer Karies zu einer Infektion des Zahnnervs und später zu einer Infektion des umliegenden Knochens. Im Röntgenbild sieht der Zahnarzt einen dunklen Fleck um die Wurzelspitze. Da durch die Infektion Knochen zerstört wird, dringen Röntgenstrahlen leichter durch – das verursacht am Röntgen Film den dunklen Fleck. Immer wenn Röntgenstrahlen abgehalten werden, dann entsteht ein weißer Fleck. Bis durch die Entzündung so viele Knochen abgebaut ist, dass der Knochenabbau im Röntgen sichtbar wird, können Tage, Wochen, ja sogar Monate vergehen, abhängig von Ihrem Immunsystem, der Anzahl und Aggressivität der Bakterien und der Wurzelkanal Anatomie.

Beschwerden müssen nicht den Röntgenaufnahmen entsprechen, so können sie starke Schmerzen haben und am Röntgenbild ist nichts zu sehen und umgekehrt. Die Behandlung eines Zahnherdes ist in der Regel die Wurzelbehandlung. Durch die Wurzelbehandlung wird der zerstörte Zahnnerv samt Bakterien entfernt und der Knochen um die Wurzelspitze kann so austeilen. Immer wieder stellen Betroffene die Frage ob denn ein Zahnherd gefährlich sein kann. Jede Infektion im Körper, unabhängig der Lokalisation, kann von einem langsamen chronischen Verlauf in einen akuten, ja sogar manchmal lebensbedrohlichen Verlauf münden. So beobachtet man bei Patienten mit beherdeten Zähnen vor allem zum Sommerbeginn und somit zur Urlaubszeit akute Abszesse. Aufgrund der im Sommer leicht erhöhten Körpertemperatur, kommt es zu einer erhöhten Bakterien Teilung und auch die Durchblutung des Gewebes nimmt zu, so dass mehr Immunzellen vor Ort der Infektion sind. Das kann dazu führen, dass sich eine akuter Abszess bildet, Kieferabszesse können mitunter lebensbedrohlich sein. Deshalb sollten immer alle Infektionen behandelt werden, auch wenn sie keine Schmerzen oder Beschwerden haben.

Zwar versucht der Körper chronische Infektionen abzukapseln, indem um die Infektion Gratulationsgewebe gebildet wird und der gebildete Eiter durch eine Fistelgang abgeleitet wird, aber das gelingt nicht immer. Gratulationsgewebe ist Narbengewebe, dadurch kann der Körper die Bakterien ein wenig eindämmen, jedoch geht unweigerlich immer mehr gesundes Gewebe, in unserem Fall Kieferknochen, verloren. Die Entzündung zerstört also mehr und mehr Gewebe, gleichzeitig bildet sich um die Entzündung neues Gratulationsgewebe und so bildet sich innerhalb der unterschiedlichen Gewebelogen ein Weg, der Arzt spricht von einem Fistelgang. Im optimal Fall mündet der Fistelgang in die Mundhöhle, oder die Körperoberfläche. Manchmal jedoch mündet solch ein Fistelgang auch ins Körperinnere, so entstand vermutlich der Volksglaube, dass jeder Zahn mit einem Organ zusammenhängen würde. So findet man in anatomischen Museen Fistelgänge, die z.B. von einem beherdeten Unterkieferzahn, bis in den Magen durchgebrochen sind.